Themen ohne Tabu – Die Moral von der Geschicht‘, Tierversuche gehen nicht

Tierquälerei und Tierversuche sind polarisierende Themen, die selten in persönlichen Kreisen angesprochen werden. Wie steht es aktuell um Tierversuche? Weshalb werden Tierversuche überhaupt ausgeführt? Können sie unter Umständen sogar sinnvoll sein? Und wie äußert sich die öffentliche Meinung dazu? Dies und Weiteres klären wir in diesem Beitrag.

Tierversuche – Ratten ja, Hunde nein?

Versuche an Hasen, Mäusen, Affen, Katzen und Hunden toleriert sicherlich niemand so einfach, der ein Herz für das Leben übrig hat. Und dennoch werden täglich Millionen Produkte gekauft, welche die Qual der Tiere durch vorausgehende Tierversuche beinhalten. Die wenigsten Menschen wissen, wie viele Produkte überhaupt erst durch Tierversuche zugänglich gemacht werden, denn teils gibt es gesetzliche Vorgaben, die Unternehmen dazu zwingen, Versuche an Tieren durchführen zu müssen. Doch können dann derartige Produkte gut für den Menschen sein?

Die vorausgehenden tierischen Tests betreffen im Prinzip den gesamten industriellen Bereich der Massenproduktion. Von Medikamenten, Kosmetikartikel, Waschmittel, Tierfutter und spezielle Nahrungsmittel oder gar Chemikalien über Stoffe wie Asbest oder Formaldehyd (welche wiederum Anwendung in anderen Produkten finden). Zwar gibt es mittlerweile Gesetze, dass die Länder der EU seit dem Jahr 2013 keine Kosmetik mehr anbieten dürfen, welche mittels Tierversuchen hergestellt wurden. Dennoch gilt dies nicht für andere oben genannte Produktbereiche. Auch gibt es weiterhin Grauzonen bei der Deklarierung.

Diskussionsbedarf – Austragungsort Internet

Ein Artikel auf Welt Online zeigte in der Vergangenheit die kontroversen Sichtweisen. Die Überschrift ließ verlauten: „Ob Primaten, Hunde oder Nager: In Deutschland sterben jährlich Millionen Tiere im Namen der Forschung. Wissenschaftler wollen Tierversuche mithilfe von Organchips nun langfristig überflüssig machen.“ In dem dazugehörigen Kommentar-Bereich entbrannte eine Welle der Diskussion, von gegensätzlichen Meinungen über Beschuldigungen bestimmter Unternehmen bis hin zur völligen Verteidigung der Tierversuche. Die wertvollsten Meinungen habe ich nachfolgend für Euch gelistet.

Einen sehr treffenden Gedanken zum Thema Tierversuche macht der User „fuerTiere“ auf der Webseite von Welt Online als Kommentar lesbar:

Tierversuche sind aus medizinischen und moralischen Gründen prinzipiell abzulehnen, weil die Ergebnisse aus den Tierversuchen aufgrund der Speziesunterschiede zwischen Mensch und Tier nicht auf den Menschen übertragbar sind. Die trotzdem millionenfach vollzogene Übertragung der Ergebnisse auf den Menschen wird dadurch zum reinen Glücksspiel zum Nachteil von Mensch und Tier. Menschen erleiden nachweislich schwerste Schäden durch nicht übertragbare, irreführende Ergebnisse aus Tierversuchen (z.B. Contergan, Lipobay). In den Tierversuchen werden Medikamente getestet und als ’sicher‘ für den Menschen freigegeben. Da die Ergebnisse aber nicht auf den Menschen übertragbar sind, leiden hunderttausende Menschen unter den oft tödlichen Nebenwirkungen der im Tierversuch als sicher getesteten Medikamente.

Eine weitere gegensätzliche und polarisierende, allerdings ebenso korrekte Meinung des Users „nachdenklich“ zum Artikel auf Welt Online lautet wie folgt:

Bevor wieder zuviel Unsinn kommentiert wird sollte man sich vorher zumindest ansatzweise informieren. Wenn man nicht aus dem Bereich kommt, ist jegliches Verständnis eh recht schwer aufzubringen. Eine Pauschalisierung ist mehr als unangebracht und zwei Beispiele zu nennen, erlaubt noch lange nicht die Forschung über einen Kamm zu scheren. Wer nur ein Fünkchen Logik aufweist, sollte sich mal folgendes überlegen: Was hat eine höhere Aussagekraft – die Testung eines Medikaments auf einer entarteten Krebszelllinie, welche immortalisiert ist und komplett andere Zellmechanismen entwickelt hat im Vergleich zu einer gesunden Zelle oder eine Testung in einem lebenden Organismus mit komplexen Stoffwechselprozessen. Natürlich müssen solche Substanzen erst auf Zelllinien getestet werden, aber der nachfolgend sollte ein neues Medikament in einem Tier getestet werden. Dies sollte natürlich auf fundierten Vorkenntnissen beruhen und es werden nicht einfach Tiere für so etwas „verschwendet“.

In Deutschland ist es extrem schwer eine Genehmigung für einen Tierversuch zu bekommen und das ist zu einem gewissen Grad auch gut so. Aber man sollte sich auch vor Augen führen was eine komplette Abschaffung bedeuten würde. Bevor jetzt alle gegen meinen Kommentar loswettern, sollten sie sich mal ein paar Zahlen vor Augen führen: NUR in Deutschland wurden 2012 knapp 850 MILLIONEN Tiere für den Konsum getötet, für Tierversuche waren es 3 Millionen – das sind ungefähr 0,35 % (Quelle: http://www.dpz.eu/de/abteilung…). Es werden mehr Tiere durch den Jagdsport getötet. Darüber hinaus sind aufgrund der strengen Vorschriften die Haltungsbedingungen für Versuchstiere deutlich besser als für die Zuchttiere in der Landwirtschaft. Die Gesellschaft sollte also eher mal sein Konsum- und Wegwerfverhalten überdenken!

Einen unstimmigen Punkt gibt es jedoch auch bei dieser Aussage. Die erwähnten Medikamente, für die Tierversuche benötigt werden, müssten zu 90 Prozent gar nicht zum Einsatz kommen. Nämlich dann, wenn sich der westliche Mensch seiner eigenen Gesundheit und der Ursachen seiner körperlichen und seelischen Erkrankungen bewusst wäre.

Doppelmoral und Konsequenz

Letztlich besitzen derartige Sichtweisen wenige Menschen, denn das Paradoxe an unserer Gesellschaft ist die häufig auftretende Doppelmoral. Wer Tierversuche kritisiert, sollte letztlich auch keine tierischen Produkte der Massentierhaltung nutzen. Dies ist nämlich das weitaus größere Übel, wie es der vorangegangene Kommentar wunderbar aufzeigt. Die Frage, ob wir Tiere dafür gebrauchen dürfen, Medikamente und sonstige Dinge an ihnen auszutesten, geht ebenso mit der Frage einher, ob wir Tiere nutzen und dafür töten dürfen, um uns zu ernähren.

Tierversuche bleiben für viele Menschen ein ethisch unkorrektes Thema. Forscher und Firmen verteidigen die Notwendigkeit, können jedoch nicht darüber hinwegrösten, dass bei einer sachgerechten Verwendung natürlicher Zutaten Tierversuche nur selten nötig wären. In den wenigsten Fällen können Tierversuche gerechtfertigt sein, aus ethischer Sicht ist dies erst recht nicht möglich. Im Grunde – und dessen muss sich jeder Kritiker bewusst sein – ist die Massentierhaltung eine weitaus schlimmere Quälerei einer hundertfach höheren Anzahl an Tieren. Beides sollte es in dieser Form auf unserem Planeten nicht geben.

Dass auch Ärzte Tierversuche nicht dulden, zeigt die Seite Ärzte gegen Tierversuche. Dort findet Ihr aktuelle Informationen zu diesem Thema. Zudem gibt es auch eine (wahrscheinlich nicht vollständige) Liste an Firmen und Produkten, welche Tierversuche nutzen bzw. tierversuchsbelastete Produkte verkaufen. Weitere Informationen bezüglich Tierversuche für kosmetische Produkte findet Ihr unter anderem auf Petazwei. Wenn Euch das Thema bewegt, dann kauft tierversuchsfreie Produkte. Informiert Euch im Internet, es gibt zahlreiche Seiten mit Auflistungen. In kleineren, privat geführten Läden findet Ihr oftmals eine gute Auswahl. Oder aber Ihr stellt selbst Produkte her (vor allem im Bereich Körperpflege ist dies meist einfach möglich). Gewiss seid Ihr Euch nur dann, welche Mittel für die Herstellung genutzt wurden.

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