Pilzkrankheit befällt Monokultur – Banane vom Aussterben bedroht

Masse statt Klasse ist das Motto, wenn es um die Ernährung der Weltbevölkerung geht. Jedes Jahr werden neue Züchtungen auf den Markt gebracht, um über den Massenanbau produzieren zu können. Durch unser immer globaler schaffendes Wirtschaftssystem und eine weltweit zunehmende Verarmung aufgrund des Vermögen umverteilenden Finanzsystems ist der Markt gezwungen, sich auf Masse zu konzentrieren.

Der Anbau von Monokulturen fordert zudem den Einsatz chemischer Düngemittel. Nach den unreifen Ernten und den langen Lieferwegen landen ursprünglich einmal gesunde Lebensmittel in den Verkaufshallen am anderen Ende der Welt. Dieses Spiel ist nicht auf Nachhaltigkeit ausgelegt.

Nicht nur, dass Lebensmittel aus Massenproduktion nicht mehr viel zur Gesundheit beitragen können, da immer mehr Vitalstoffe fehlen. Der größte Nachteil zeigt sich nun bei der Banane. Denn aufgrund eines seit über einem Jahr nicht eindämmbaren Pilzbefalls könnte diese innerhalb kürzester Zeit verschwunden sein. Ist also die Banane vom Aussterben bedroht?

Symptombekämpfung statt Klärung der Ursachen

Der aktuelle Fall ist keine Überraschung, sieht man sich einmal genau an, in welch unnatürlich hoher Menge unsere Lebensmittel mittlerweile angebaut werden. So könnte es in den nächsten Monaten passieren, dass es mit der Banane die nächste Monokultur erwischt, welche in Zukunft abseits tropischer Breitengrade nicht mehr verkauft werden kann. Focus Online beginnt den Bericht mit folgenden Worten:

Die Banane, die wir kennen und lieben, ist wegen einer Pilzkrankheit vom Aussterben bedroht. Denn Monokulturen sind besonders anfällig für Epidemien. Selbst wenn die Forscher die Katastrophe noch abwenden können, ist ein Umdenken gefragt.

Der Boden, der für den Anbau von Monokulturen jeglicher Art herhalten muss, ist meist schon seit Jahren ausgelaugt. Ohne eine bestimmte Bewirtung (zum Beispiel Dreifelderwirtschaft) können sich diese nicht regenerieren. Und ohne mineralstoffreiche Böden besitzen die darauf angebauten Pflanzen nur wenige sekundäre Pflanzenstoffe, welche die Pflanze sonst vor Schädlingen schützen würde.

Dabei ersetzte die Cavendish einst selbst die bis in die 1960er Jahre vertriebene Sorte „Gros Michel“, die von der Panamakrankheit dezimiert wurde. „Cavendish“ ist zwar resistent gegen den Pilzstamm TR1, der „Gros Michel“ heimgesucht hatte, kann sich aber des Stammes TR4 nicht erwehren. Schuld an der verheerenden Auswirkung des Krankheitsbefalls ist der Anbau in Monokulturen.

Nicht nur Banane vom Aussterben bedroht

Sollte es tatsächlich dazu kommen: Ein weiterer Nachfolger für die Banane ist früher oder später gefunden. Dies ist jedoch letztlich reine Symptombekämpfung. Stellen wir die Frage einmal anders: Wie lange halten in Monokulturen angebaute Pflanzenarten, bis sie (im besten Fall) durch eine neue Art ersetzt werden?

Etwa 7,5 Milliarden Menschen hängen derzeit am Tropf der Agrar-Industrie. Wird die genetische Vielfalt weiterhin minimiert, kann es zu unschätzbaren Folgen für unsere Lebensmittel kommen.

„Verschiedene historische Beispiele zeigen, warum die genetische Vielfalt von Pflanzen wichtig ist. Das ist ähnlich wie bei Spareinlagen auf der Bank“, sagt Forscher Stefano Padulosi von Bioversity International der Deutschen Presse-Agentur. Ein Finanzberater werde einem Kunden immer raten, seine Investitionen breit zu fächern. Die Große Hungersnot in Irland im 19. Jahrhundert mit rund eine Million Toten sei unter anderem darauf zurückzuführen gewesen, dass der Kartoffelanbau des Landes weitgehend auf einer einzigen Sorte basiert habe, die von einer Krankheit zerstört worden sei.

Monokulturen dienen nahezu immer als Grundbaustein für den Anbau von Massenprodukten. Die meisten Produkte, die wir im Supermarkt kaufen können, sind aus einigen wenigen Grundbausteinen hergestellt. So sind allein Soja und (Soja)Lecithine, Mais und Weizen häufig genutzte Grundzutaten. Man bedenke, zu welchen globalen Folgen es kommt, wenn allein diese drei Pflanzenarten nicht mehr nutzbar wären.

Viele kleine Bauern, die verschiedene Arten eines gleichen Lebensmittels anbauen, finden im Zeitalter des Turbokapitalismus keinen Platz mehr. Stehen wir mit unseren veralteten Denkmethoden kurz vor einem Aussterben eines Großteils unserer Lebensmittel? Wird deshalb die genetische Manipulation unserer Lebensmittel trotz aller Proteste vorangetrieben?

Kleinbauern und diversifizierte Sorten fördern Überlebenschance

Umso mehr Sorten es gibt, umso besser ist die Überlebenswahrscheinlichkeit einer Pflanze. Junge Züchtungen sind auf Profit ausgelegt, alte hingegen auf Beständigkeit. Hier muss ein Umdenken erfolgen, um die zerstörenden Anbaumethoden der letzten 70 Jahre wieder gut machen zu können. Der ugandische Agrarwissenschaftler Edie Mukiibi bringt es abschließend auf den Punkt:

(…) Edie Mukiibi favorisiert dagegen traditionellere Methoden. Kleinbauern in seinem Land hätten die Welkekrankheit etwa durch Quarantäne-Maßnahmen in den Griff bekommen, sagt Mukiibi, der sich als Vizepräsident von Slow Food International für eine lokale Gastronomie und nachhaltige Landwirtschaft einsetzt. In jedem Fall müsse die „Cavendish“-Monokultur durch eine größere Vielfalt von Bananen ersetzt werden, sagt er. „Die Menschen, die Bananen essen, verdienen etwas Besseres, als das, was sich derzeit in europäischen oder amerikanischen Regalen findet.“

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