Nachwuchs aus dem Labor – Das Zukunftsbild der Fortpflanzung

Ist es eine dystopische Vorstellung, dass unsere Kinder zukünftig im Labor gezeugt werden? Aus heutiger Sicht könnte die Zukunft der natürlichen Fortpflanzung schon innerhalb der nächsten Jahrzehnte ersetzt werden. Zum einen liegt dies daran, dass die Geburtenraten in den westlichen Ländern seit Jahren rückgängig sind. Zum anderen kommt dazu die Möglichkeit, dass sich mit dem Nachwuchs aus dem Labor ein völlig neues Geschäftsmodell entwickelt. Viele wichtiger ist jedoch die Frage, warum heute immer weniger Menschen Kinder bekommen wollen oder auch bekommen können? Wir werfen einen Blick in die Entwicklung dieser Geschichte.

Nachwuchs aus dem Labor – Die ersten „Reagenzglas-Kinder“

Die eigene Vorstellung erlaubt es uns zumindest nicht sofort, eine Welt ohne natürliche Fortpflanzung zu erdenken. Die Zeichen der Zeit zeigen jedoch aus mehreren Gründen auf einen gemeinsamen Nenner, dass in Zukunft Kinder über technologische Parameter kontrolliert gezeugt werden. Auch die Medien verfassen seit den letzten Jahren immer wieder Beiträge über das Thema der Geburt im Reagenzglas. Damit sensibilisieren sie die Menschen fortan für eines der wichtigsten Themen der nahen Zukunft.

So wird die Fortpflanzung über Samenbanken und über eine künstliche Befruchtung der Eizellen bereits heute nicht mehr als derart abstrakt angesehen, wie dies noch vor gut 50 Jahren der Fall war. Die damals durchaus gruselige Zukunftsvision findet heute eine breite Akzeptanz. Diverse Printmedien berichten in regelmäßigen Abständen über das Thema, darunter ist Folgendes zu lesen:

Das erste auf diesem Weg gezeugte Baby kam 1978 zur Welt, bis heute verdanken etwa vier Millionen Menschen der In-vitro-Fertilisation ihre Existenz. (Bild der Wissenschaft)

Der 25. Geburtstag des ersten ‚Retortenbabys‘ Louise Brown bietet Anlaß zum Feiern. Trotz der erreichten Alltäglichkeit der künstlichen Zeugung bleiben ethische Diskussionen bestehen. (FAZ)

Heute sind Frauen in der Regel Workaholics mit Kinderwunsch. Sie werden immer älter, ehe sie schwanger werden. Der Vater der Antibabypille rät deshalb zur Fortpflanzung ohne Geschlechtsverkehr. (Welt Online)

Die Aufregung hat sich längst gelegt – im vergangenen Jahr wurden allein in Deutschland 10.000 Kinder im Reagenzglas gezeugt. (Welt Online)

Akzeptanz für unnatürliche Befruchtungsmethoden steigt

Nachdem die Menschheit die ersten Jahrzehnte dieser „Retorten-Kinder“ aus künstlicher Befruchtung beobachtet hatten, wuchs das Vertrauen in die sogenannte Reproduktionsmedizin spürbar an. Auch aus aktuell veröffentlichten Beiträgen lässt sich die Richtung für die nächsten Jahrzehnte herauslesen. Die Akzeptanz für den Nachwuchs aus dem Labor nimmt stetig zu. Nicht zuletzt aufgrund der bestehenden Vorteile in einer heute so verrückten Welt, denn oftmals fehlt den Menschen die Zeit, den Kinderwunsch von Anfang an auszuleben. Heute ist es die Norm, dass in Partnerschaften beide Partner über ein normales Pensum hinaus arbeiten gehen. Nach einem langen Studium steht die Karriere an erster Stelle. Die Kinderfrage bleibt dabei zumeist bis zum Alter von 30 bis 35 Jahre aus.

Ist der Kinderwunsch dann doch vorhanden, gibt es, unter anderem aufgrund der steigenden Unfruchtbarkeit in immer jüngeren Jahren, keine Garantie für die Umsetzung. Dabei erscheint die Methode der künstlichen Befruchtung, welche zur passenden Zeit ein Kind gewährleisten kann, wie gerufen.

Doch wie immer hat eine Medaille zwei Seiten. Wir wissen, dass unser System zwanghaft nach neuen kapitalschaffenden Geschäftsfeldern sucht, wodurch global neue Geldkreisläufe entstehen. Ohne Kunden macht eine Firma keinen Umsatz und keinen Gewinn. Die Frage ist, über welche Marketingmethoden ein derartiges Geschäftsmodell Kunden gewinnen kann? Die Kehrseite an künstlicher Befruchtung ist, dass früher oder später kontrolliert werden kann, wer Kinder bekommen darf und wer nicht.

Unfruchtbarkeit in der westlichen Welt steigt

Nun ist es verständlich, dass es damals eine große Erwartungshaltung von Menschen gab, welche – zum Beispiel durch einen Unfall – Unfruchtbar geworden sind. Der Wunsch vom eigenen Kind konnte somit dennoch erfüllt werden. Die Süddeutsche Zeitung berichtet aktuell, dass die Unfruchtbarkeit generell ein Thema für viele Paare ist:

In Deutschland hat etwa jedes sechste Paar Schwierigkeiten, ohne ärztliche Hilfe ein Kind zu bekommen. Die Ursachen sind vielfältig, ebenso wie die Therapien. Ein Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten.

Doch weshalb steigt die Unfruchtbarkeit an? Einen interessanten Hintergrund zu dieser Entwicklung gibt uns Dr. Klinghardt. Dieser äußerte sich in dem im Jahr 2014 stattfindenden Interview des Detox-Kongresses wie folgt:

Die Umweltgifte denen wir heute alle ausgesetzt sind haben einen Einfluss auf die epigenetische Regulation unserer Gene. Das heißt, wir können unsere Gene nicht mehr richtig benutzen. Die Gene sind dafür da, uns vorzubereiten auf die Umwelt und auf die Stationen die im Alltag da sind, tragen natürlich aber auch den ganzen Bauplan des Menschen in sich. Und wenn die Gene nicht mehr richtig reguliert werden, dann heißt es, dass ein, zwei oder drei Generationen später massive Fehlentwicklungen auftreten werden. Wir sehen es natürlich jetzt schon (…) das bezieht erstmal auf auf alle Umweltgifte, Quecksilber, Aluminium, Insektizide, Herbizide und so weiter. Der zweite Faktor ist der Umweltstress durch die elektromagnetische Strahlung (…) der enorme epigenetische Schäden verursacht. Ich möchte es noch einmal erklären: Epigenetische Schäden heißt, dass die Person die selber betroffen ist dadurch, wahrscheinlich gar nichts merkt. Es wird erhöhte Krebsraten geben und erhöhte Raten an neurologischen Erkrankungen, aber erst die nächste Generation hat dann die Lebensmittelallergien und das Asthma und die chronische Müdigkeit. Die Generation danach wird unfruchtbar oder wird andere größere Problem die mit der Fortpflanzung haben. Man weiß aus der Tierforschung, das es maximal drei oder vier Generationen dauert, bis diese Familie ausstirbt, weil keiner mehr Kinder haben kann.

Der Sex der Zukunft dient nur noch dem Vergnügen

Durch den steigenden Stresspegel und den Unmengen an Möglichkeiten einer globalisierten Welt entwickelt sich bei vielen jungen Menschen ein steigendes Desinteresse für Kinder und die natürliche Reproduktion. Besonders junge Menschen sehen Sex heute eher als Unterhaltung und Vergnügen an, als es mit der Zeugung eines neuen, beseelten Lebewesens in Verbindung zu bringen. Es wäre dahingehend nicht verwunderlich, wenn innerhalb der nächsten fünf Jahrzehnte ein kompletter Wandel in Bezug auf die natürliche Fortpflanzung stattfindet.

Ist dieser Wandel gesellschaftlich akzeptiert, ist der nächste Schritt zur vollständig überwachten Geburtenkontrolle nicht mehr fern. Eine Geburtenkontrolle dient dann als Grundlage für die „Bestellung eines Kindes“. Bei einem Kinderwunsch sind dann im Vorfeld Verträge auszufüllen und Tests auszuwerten. Dabei können einzelne Personen oder auch Menschengruppen gar gänzlich ausgeschlossen werden.

Kritisch wird es bei den bleibenden ethischen Fragen, vor allem bei potentiellen Konzepten der Vermarktung und Umsetzung, wie sie Klaus Diedrich, Professor für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Universität Lübeck, beschreibt. Gegenüber Welt Online sagte er Folgendes:

„Fünf wäre eine ideale Zahl“, sagt Diedrich. Der behandelnde Arzt sollte auswählen können, welcher Embryo der Frau in die Gebärmutter implantiert werden soll (…) „Unter dem Mikroskop ist nach wenigen Zellteilungen zu erkennen, welcher Embryo am besten für den Transfer in die Gebärmutter geeignet ist.“ Nur dieser Embryo sollte implantiert werden (…) Diedrich ist sich der ethischen Probleme einer solchen Auswahlmethode bewusst. So müsse geklärt werden, was mit den überzähligen Embryonen geschehen solle.

Der größere Teil der Bevölkerung wird künstliche Befruchtung und auch Geburtenkontrolle akzeptieren, wenn lange genug prominente Beispiele vorangehen und Medien und Filme auf diesem Gebiet „Aufklärungsarbeit“ betreiben. Doch noch immer wäre der von der Natur vorgegebene Weg der Zeugung eines Kindes der für uns logische. Dieses Denken und die Informationen darüber stecken tief in unseren Erinnerungen und können nicht einfach unterdrückt werden.

Bestellung in der Geburtsfabrik – namhafte Firmen ebnen Wege

Etablierte Firmen wie Apple oder Facebook übernehmen bereits die Kosten für das Einfrieren von Eizellen Ihrer Mitarbeiter. Dadurch ist gewährleistet, dass ein Mitarbeiter nicht ausfällt bzw. zu einem anderen Zeitpunkt dessen Kinderwunsch auslebt. Darüber berichtete Welt Online vor einigen Jahren:

Apple und Facebook übernehmen die Kosten, wenn Mitarbeiterinnen ihre Eizellen einfrieren lassen statt schwanger zu werden. Von der hemmungslosen Rationalisierung eines der intimsten Dinge im Leben. (…) Das Schicksal einer der intimsten und persönlichsten Angelegenheiten im eigenen Leben wird damit in die Hände eines Unternehmens gelegt, in dem Quotendruck und soziale Erwartungen regieren. Es scheint, als dürfe eine Frau einfach keine klassische Frau mehr sein. Beim „Social Freezing“ ist nicht nur die Technik künstlich, sondern auch die Gedanken sind es.

Für Firmen ist der Nachwuchs aus dem Labor der Himmel auf Erden, doch wir Menschen treten damit eines der intimsten und eigenverantwortlichsten Bereiche unseres Lebens ab. Wollen wir das? Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten.

Trotz aller Kritik: Den Nachwuchs aus dem Labor wird es in Zukunft häufiger geben

Mit der Zeit wird sich auch das Verständnis für dieses Thema verändern. Durch das Propagieren der Vorteile einer künstlichen Befruchtung werden besonders die jetzig sehr jungen sowie die kommenden Generationen davon überzeugt, dem Vorhaben trotz ethisch und moralisch offener Fragen zuzustimmen.

Hier liegt es an jedem selbst, heute aufwachsende Kinder über die Natur und die natürlichen Mechanismen aufzuklären. Wer die Erziehung gänzlich den Medien und der Politik überlässt, der brauch sich über ein fehlendes Verständnis nicht wundern. Die Ausmaße in Bezug auf eine kontrollierte „Kinderbestellung“ sowie ein daraus mögliches Geschäft mit vielen dubiosen Seiten, ähnlich der Organhandel-Skandale, kann heute noch keiner von uns auch nur ansatzweise abschätzen.

Solange diese Idee dem Wohle der Menschheit dient, ist nichts dagegen einzuwenden. Doch ab welchem Punkt endet „zum Wohl der Menschheit“ und beginnen moralisch fragwürdige Machenschaften und wirtschaftliche Interessen die Oberhand zu gewinnen?

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