Konstitutionstypologie nach William Sheldon – Die drei Körperbau-Typen

In der westlichen Welt werden die Abstände zwischen Übergewichtigen und Untergewichtigen Menschen immer größer. Dies mag zum Teil an der modernen Ernährung liegen, welche vor allem zu Problemen der Schilddrüse und damit zu Problemen des Stoffwechsels führt. Auch der fortwährend stattfindende Medienrummel, bei dem es um die perfekte Figur geht, bewegt uns hin zu dem Gedanken, dass es nur ein Ideal gibt, welches für alle Menschen gilt. Stattdessen zeigen wir Menschen mit unseren Körperbau von Geburt an alle mehr oder weniger verschiedene Eigenschaften auf.

Die Konstitutionstypologie von William Sheldon

Die sogenannte Konstitutionstypologie wurde von dem US-amerikanische Mediziner William Sheldon entwickelt und teilt die Menschen, ähnlich dem ayurvedischen Prinzip (Vata, Kapha, Pitta) nach ihrer Konstitution (unter anderem Knochenbau und Stoffwechsel) in verschiedene Kategorien ein. Da es keinen „normalen Konstitutionstyp Mensch“ gibt, sondern verschiedene Mischformen, bestehend aus letztlich drei grundlegend gegensätzlichen Konstitutionstypen, kann es auch kein allgemein gültiges Ideal geben. Dies erkannte William Sheldon während seiner langjährigen Arbeit mit Hunderten von Klienten. Dabei filterte er drei übergeordnete Typen heraus: Den ektomorphen Typ, den endomorphen Typ und den mesomorphen Typ. Dazwischen existieren viele weitere Mischtypen, welche einige Eigenschaften von zwei oder gar allen drei Typen vereinen.

Ektomorpher Typ

Der ektomorphe Typ ist groß und schmal gebaut und besitzt meist auch einen kurzen Oberkörper in Relation zu seinen Beinen. Der ektomorphe Typ speichert wenig Fett und baut nur langsam Muskeln auf, wenn er trainiert. Daher bleibt sein Körperbau auch eher schmächtig. Ihm liegt Ausdauersport, wie zum Beispiel ein Marathonlauf oder Schwimmsport, jedoch muss der ektomorphe Typ dabei aufpassen, dass er genügen Kalorien zu sich nimmt, um seine wenigen Fettreserven halten zu können. Aufgrund des schnellen Stoffwechsels werden aufgebaute Muskeln schnell abgebaut. Da kann selbst mit einer perfekt angepassten Ernährung nur sehr wenig optimiert werden.

Da er nahezu alles von dem, was er isst, auf direktem Wege wieder ausscheidet, nimmt er trotz großer Portionen nicht merklich zu. Dafür besitzt er von Natur aus eine gute Entgiftung, da sein Stoffwechsel im Gesamtbild eher auf Ausscheidung programmiert ist. Leider gehen ihm dabei oftmals auch wichtige Mikronährstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe) verloren. In der Schulmedizin werden ektomorphe Typen aufgrund des eher geringen Gewichtes als anfällig für Krankheiten gehandelt. Dabei sind gerade jene sehr unempfänglich für chronische Volkskrankheiten.

Endomorpher Typ

Der endomorphe Typ hingegen ist das direkte Gegenteil zum ektomorphen Typ. Er ist meist klein und besitzt einen kurzen Hals, eine rundliche Taille sowie ein rundliches Gesicht. Zudem isst er im Gegensatz zum ektomorphen Typ weniger und selbst wenn er dauerhaft sehr wenig isst, nimmt er dennoch recht schnell zu. Der endomorphe Typ besitzt die von vielen bedauerte Fähigkeit, möglichst viele Kalorien in Fett umzuwandeln. Man sagt auch, dass der endomorphe Typ ein guter Lebensmittel-Verwerter ist.

Wo jedoch auch viele Nährstoffe, bestehend aus Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette, angehäuft werden, werden auch Gifte und Schadstoffe besser eingelagert. Jenen Typen fällt oftmals auch eine aktive Bewegung schwer. Dadurch wird die Entgiftung, die dieser Typ aufgrund der steten Einlagerung dringend nötig hat, noch stärker gehemmt. Endomorphe Typen sind eher träge und oftmals auch sehr bequem, was die konstitutionelle Ausgangslage noch weiter unterstützt.

Mesomorpher Typ

Letztlich bleibt noch der mesomorphe Typ, der von Haus aus bereits breite Schultern und eine eher schmale Taille besitzt. Bei Frauen hingegen sind mesomorphe Typen meist in einer kurvigen Figur (Sanduhrform) erkennbar. Oftmals ist jener Typ auch ohne Training mit Muskeln versehen, da sein Organismus auf Muskelaufbau gepolt ist. Diesem Typ fällt es leicht, Muskeln durch Training aufzubauen. Er besitzt markante Wangenknochen sowie ein langes und breites Gesicht. Er ist ein Athlet, jedoch noch eher ein Bodybuilder. Hat der mesomorphe Typ doch einmal ein paar Fettpolster aufgebaut, befinden diese sich bevorzugt am Bauch oder an der Hüfte. Der mesomorphe Typ kommt in der Ernährung sehr gut mit tierischen Produkten aus, verträgt und verdaut Fleisch sehr gut.

Gängige Messmethoden (BMI) sind unnötig

Aus dieser Aufzählung wird erkenntlich, dass es verschiedene Konstitutionstypen innerhalb der Konstitutionstypologie gibt, die mit Ernährung und Bewegung anders umgehen. Ein einheitliches Messverfahren wie der Body Mass Index sollte somit nicht für alle Typen gleich gesetzt werden. Hier bedarf es einer genauen Untersuchung des eigenen Körperbaus und der eigenen Konstitution, damit bei übergewichtigen Menschen (meist endomorpher Typ) nicht Muskeln und Wasser statt Fett abgebaut sowie bei untergewichtigen Menschen (meist ektomorpher Typ) nicht Fett statt Muskel aufgebaut werden. Demnach kann ein leicht untergewichtiger Mensch auch noch im Normalgewicht liegen, wenn er der Gruppe der ektomorphen Typen angehört, auch wenn er einen Body Mass Index von nur 18 oder 19 hat.

Gleiches gilt im Umkehrschluss auch für den endomorphen Typen. Der Body Mass Index sollte demnach stets nur als Hilfsmittel herangezogen werden. Wessen Ernährung gesund – also naturbelassen, basisch, saisonal und regional – ist, wer sich aktiv bewegt und eine gesunde Psyche vorweisen kann, erreicht sein Normalgewicht früher oder später von selbst. Hier muss man nicht krampfhaft auf Zahlen achten, die statischer nicht sein könnten.

Der Körperbau – So individuell wie das Leben

Die drei Konstitutionstypen verdeutlichen die unterschiedliche Gewichtung der verschiedenen gesundheitlichen Faktoren bezogen auf den individuellen Organismus. William Sheldon unterteilte in seiner Konstitutionstypologie selbst bis zu 76 verschiedene Unter-Typen. Auch diese drei Kategorien dürfen nicht statisch betrachtet werden. Dennoch sind sie ein hilfreiches Mittel, um sich selbst besser einschätzen zu können, wenn es um Themen wie Ernährung, Stoffwechsel und sportliche Betätigung geht. Betrachtet man dazu noch den energetischen Aspekt, welcher über das gesamte Leben auf jeden Menschen völlig individuell wirkt, könnte man den Kreis der Körperbau-Typen sicherlich noch um ein Vielfaches erweitern. Die Arbeit von Sheldon zeigt doch bereits so schon, wie einzigartig jeder menschliche Organismus ist. Dabei profitiert stets derjenige, der seinen Körper selbst am besten kennt.

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