Kohlekraftwerk am weltgrößten Mangrovenwald geplant

In Bangladesch ist derzeit ein neues Kohlekraftwerk geplant. Der Standort sorgt dabei für Empörung, denn es soll inmitten der Sundarbans, dem größten Mangrovenwaldgebiet der Erde, entstehen. Bei den vor Ort laufenden Protesten geht es jedoch nicht nur um die dort ansässigen Tierarten, welche ohnehin schon bedroht sind. Es geht um das Prinzip, wirtschaftliche Interessen nicht über ein Natur- und Kulturerbe zu stellen. Das Vorhaben für ein Kohlekraftwerk am weltgrößten Mangrovenwald ist über die Regierung in Bangladesch bereits so gut wie genehmigt.

Das Kohlekraftwerk am weltgrößten Mangrovenwald wird von der Regierung unterstützt

Die Mangrovenwälder stehen in einem tief gelegenen Mündungs- und Überschwemmungsgebiet. Die zahlreichen Flüsse leiten die Niederschläge, die von den Hängen des Himalaya kommen oder durch die saisonalen Monsun-Regenfälle auftreten, ins Meer. Als Heimat für viele, teils bedrohte Tierarten und als ein nicht unwichtiger Teil des Weltklima-Katalysators trifft das Vorhaben auf absolutes Unverständnis.

Der im westlichen Teil liegende Sundarbans-Nationalpark wurde von der UNESCO im Jahr 1987 als Weltnaturerbe und 2001 sogar zum Biosphärenreservat erklärt. Das Entsetzen um ein geplantes Kohlekraftwerk ist, ähnlich wie vor wenigen Jahren am Great Barrier Reef, für jeden von uns nachzuvollziehen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet in diesen Tagen darüber:

Der Staat Bangladesch will mithilfe indischer Investoren ein riesiges Kohlekraftwerk, nur 14 Kilometer vom nördlichen Rand der Sundarbans entfernt, in der Nähe der Stadt Khulna bauen. Gegner laufen Sturm, weil sie fürchten, dass das Megaprojekt verheerende Folgen für die Mangrovenzone haben wird. (…) Als größtes Mangrovengebiet der Welt sind die Sundarbans schon seit 1997 als Unesco-Welterbe aufgelistet; sie sind etwa fünfmal so groß wie der Spessart, 13 Millionen Menschen leben dort. Gleichzeitig bietet das tropische Flusslabyrinth in der Gezeitenzone zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten Raum, neben Tigern sind bedrohte Flussdelfine, Schildkröten und Otter zu finden.

In den letzten Jahren konnte die Kohleindustrie nach langer Zeit wieder einen teils kräftigen Zuwachs verzeichnen. Die Bedeutung der Kohleindustrie ist in einigen Ländern der Welt sogar auf ein neues Hoch gestiegen. Doch diese Form der Energiegewinnung bringt nicht nur Luftverschmutzung mit sich. Die Süddeutsche Zeitung berichtet weiter:

Alarmiert sind sie vor allem wegen des Transports gewaltiger Mengen Kohle, die vom Ozean den Pashur River hinauf, mitten durch die Mangrovenwälder, transportiert werden müssten, um das Kraftwerk zu befeuern. 3,8 Millionen Tonnen wären pro Jahr dafür nötig. Um die Kohle zu befördern, muss die Fahrrinne im Fluss erheblich vertieft werden. Die staatlichen Energiekonzerne Indiens und Bangladeschs wollen Rampal gemeinsam finanzieren, es soll knapp zwei Milliarden US-Dollar kosten.

Anzeichen einer weltweiten Selbstzerstörung

Doch was bedeutet das für unsere Zukunft? Ethik und Moral waren noch nie ein Bestandteil im Regelwerk der Weltwirtschaft. Seit kurzem ist es ganz offiziell, dass bestimmte klimatische und umweltbedingte Veränderungen nicht mehr aufzuhalten sind. Warum also dann überhaupt noch um unseren Planeten kümmern? Allein die Überlegung einer Regierung, in einem der größten Waldbestände der Welt industrielle und wirtschaftliche Interessen walten zu lassen, kann an Absurdität nur schwer überboten werden. Doch spielt dabei noch ein anderer Punkt eine Rolle.

Wir in der westlichen Welt sehen oftmals nicht, dass der Großteil der Welt in Armut und Elend lebt. Ein Land wie Bangladesch, welches als aufstrebend gilt, lässt sich eine wirtschaftliche Chance wie diese nicht so einfach entgehen. Das Streben nach Wirtschaftswachstum und der Anpassung an die westliche Welt bringt immer wieder neue Symptome hervor. Die Ursache ist, dass sich der Mensch die Natur zu Füßen legt. In diesem eigenes auferlegten Wettstreit will er bestehen, um Nachhaltigkeit ging es dabei noch nie.

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