Ist genug für alle da? Das Märchen von der Überbevölkerung

Die Menschheit steht vor einer der größten Herausforderungen. Knapp siebeneinhalb Milliarden Menschen teilen sich den Platz und die Ressourcen der Erde. Eine Überbevölkerung mit all ihren unangenehmen Folgen steht uns bevor. Zumindest erzählen uns genau das Politiker, Wirtschaftsbosse und Medien-Experten. Mathematisch ist die Angst vor einer Überbevölkerung recht einfach zu widerlegen. Und dennoch ist sie real. Ein Widerspruch?

Begrenzte Ressourcen, begrenztes Wachstum

Nahezu jegliche Ressourcen auf unserem Planeten sind begrenzt vorhanden und regenerieren sich nur langsam oder gar nicht. Besonders die Bewohner der Industrienationen wie Deutschland, die USA und Japan besitzen einen hohen Wohlstands-Faktor. Aber auch immer mehr Menschen in Ländern wie China, Brasilien oder Indien greifen nach einem höheren westlichen Standard, was einen immer weiter ansteigenden Ressourcenbedarf verursacht. Jeder hat den Wohlstand der Industriestaaten im Blick, doch definiert sich Wohlstand nicht durch die Anhäufung materieller und luxuriöser Dinge, sondern bereits durch das Erfüllen der (Grund)Bedürfnisse eines jeden Menschen.

Sicherheit, eine Versorgung mit Lebensmitteln, Bildung, Gesundheit, die Gründung einer Familie oder eine sinnvolle Arbeit – dies sind eine der ersten Bedürfnisse des Menschen in einer halbwegs geordneten Gesellschaft. Nun mangelt es in vielen Regionen der Welt bereits an diesen grundlegenden Dingen. Begründet wird dies oft mit der Knappheit von Ressourcen, und einem zu hohen Bedarf dieser durch einer stetig wachsenden Bevölkerung. Mit einer Überbevölkerung verbinden wir gedanklich überfüllte Metropolen, Lebensmittelknappheit, Kriege und Massenwanderungen. Doch ist dies so richtig?

Überbevölkerung? Eine Rechnung zeigt etwas anderes

Die Überbevölkerung ist eine der verrücktesten Modelle unserer heutigen Zeit. Dies offenbart sich an einer einfachen mathematischen Rechnung wie folgt: Würde man allen Familien der Welt ein Grundstück von 3.000 m² für Haus und Garten zur Verfügung stellen, würde die dafür benötigte Gesamtfläche gerade einmal die Fläche Nordamerikas umfassen. Im Übrigen: 100 m² bis 200 m² reichen bereits aus, um bei richtiger Bewirtung einen Menschen dauerhaft ernähren zu können. Mit 3.000 m² könnte eine Familie demnach eine gesunde Selbstversorgung mit Überschuss praktizieren. Doch rechnen wir einmal selbst nach.

In unserer Rechnung beachten wir Folgendes: Einem Menschen stehen 100 m² Wohnfläche, 100 m² Lagerfläche und 1.000 m² Ackerland zur Selbstversorgung zur Verfügung. Das macht zusammen 1.200 m² für jeden Erdenbewohner. Demnach würden 7,5 Milliarden Menschen exakt 9.000.000.000.000 Quadratmeter benötigen. Dies entspricht umgerechnet neun Millionen Quadratkilometer. Allein die USA oder Europa hat eine Fläche von knapp zehn Millionen Quadratkilometer. Dies bedeutet, dass allen 7,5 Milliarden Menschen allein in den USA bzw. in Europa mehr als ausreichend Platz zur Verfügung stände. Nach dieser einfachen Rechnung wird auch deutlich, dass die für 2050 erwartete Weltbevölkerung von zehn Milliarden Menschen an sich kein Problem darstellt.

Noch ein Rechenbeispiel, um es für den Verstand greifbar zu machen, von welchem Platz wir sprechen: Würde man jeden Menschen auf einem Quadratmeter stellen, dann bräuchte man eine Fläche von 7.500 km², um alle Menschen aufzustellen. Dies entspricht in etwa der dreifachen Größe des kleinsten Bundeslandes der BRD, dem Saarland.

Kommen wir zurück zu unseren 1.200 m² pro Erdenbewohner. Natürlich könnte eine derart gleiche Aufteilung nicht funktionieren, da sowohl topografisch als auch wirtschaftlich nicht alle Bereiche der USA, Europa oder jedweder anderen Fläche in dieser Größe gleichmäßig nutzbar wären. Allerdings haben wir in unserer Rechnung bereits mit einem sehr großzügigen Flächenpuffer gerechnet, denn wir gehen davon aus, dass jeder Mensch das Fünffache an Bewirtungsfläche und das Doppelte an Wohnfläche benötigt, als es eigentlich der Fall wäre. Außerdem sind die USA oder Europa nicht die einzigen Länder. Allein Afrika misst mit 30 Millionen Quadratkilometer das dreifache der Fläche der USA oder Europa. Dazu bedenke man auch, dass im 21. Jahrhundert die technologischen Möglichkeiten ausgereift sind, um einen maximalen Ertrag auf geringster Fläche zu erzielen. Und das ohne den Einsatz von Chemie und künstlichen Düngemitteln.

Platzmangel gibt es nur in unseren Köpfen. Wir können heute innerhalb von 24 Stunden überall auf diesem Planeten sein. Aufgrund unserer schnelllebigen Zeit mit einem globalen Netz aus Informationen übersehen wir, wie riesig unsere Erde in Wirklichkeit ist und wie viel Platz uns zur Verfügung steht. Die Frage ist, wie sinnvoll wir diesen nutzen.

Überbevölkerung ist ein selbstgemachtes Problem

Die Geschichte der Überbevölkerung ist eine dramatische Darstellung eines Zukunftsszenarios, welches so in dieser Form in diesem Jahrhundert zwar eintreten wird. Allerdings wird es nur dann zu einer globalen Katastrophe, wenn alle aktuellen Entwicklungen ohne Kurskorrektur weiter verlaufen und die ungleiche Verteilung der Ressourcen bestehen bleibt.

Immer mehr Menschen öffnen die Augen und ändern Dinge in ihrem Leben, die allen Menschen zugutekommen. In Zukunft werden die Stimmen nach einer gerechteren Aufteilung lauter werden, um Kriege und Flüchtlingsströme zu verhindern. Auf Dauer wird sich das System diesem Druck beugen müssen, wenn es bestehen will.

Das Problem sind nicht 7,5 Milliarden Menschen und auch nicht jene, die zukünftig dazu kommen. Das Problem ist die ungleiche Verteilung von Lebensmitteln, Bildung, Land und finanziellen Mitteln über ein an vielen Stellen ungerechtes Finanz- bzw. Verteilungssystem. Letzteres möchte ich noch genauer beleuchten.

Geldströme führen nur in eine Richtung

Wie zuletzt über eine Oxfam-Studie einmal mehr aufgezeigt wurde, gehören 62 Menschen mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens weltweit. Spiegel Online berichtete: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird in nahezu jedem Land der Welt immer größer. Die Geschwindigkeit, mit der das geschieht, überrascht aber auch Experten. Vor einem Jahr sagte die Nichtregierungsorganisation Oxfam voraus, im Jahr 2016 werde das reichste Prozent der Weltbevölkerung, also rund 70 Millionen Menschen, mehr besitzen als die restlichen 99 Prozent (rund sieben Milliarden Menschen) zusammen. Tatsächlich wurde diese Schwelle schon ein Jahr früher erreicht.

Die Süddeutsche kritisierte wenig später die zuvor genannte Zahl, jedoch revidiert sie sogleich: Dass das aus diesen Daten errechnete Vermögen der halben Menschheit der Summe der 62 Forbes-Milliardäre entspricht, ist sehr unwahrscheinlich. Es könnten auch gut 117 Menschen sein, oder 224 Menschen. Oder 59.

Es spielt keine Rolle, ob 62, 224 oder auch 10.000 Menschen mehr als die Hälfte des Vermögens weltweit besitzen. Die Erhebung zeigt auch so eindeutig, dass es eine ständige Umverteilung von Geld über unser Geldsystem (Zinseszins) gibt. Dadurch liegt eine ungleiche Verteilung von Geld, Güter und Werten weltweit vor. Unser Finanzsystem fördert eine derartige Entwicklung. Eine Optimierung dessen reicht hier nicht mehr aus. Die Lösung müsste noch viel brutaler sein.

Mit einer Gleichverteilung von allen lebenswichtigen Dingen und der „Abschaffung“ aller die Menschheit spaltenden Dinge (Umstellung des Geldsystems, Freigabe aller Forschungen, Verzicht auf „Kriege im Namen Gottes“ etc.) können die Länder der Welt zusammenwachsen. Solange unsere Ellbogengesellschaft weiter besteht, strebt jeder Mensch nach einem höheren Lebensstandard, der ihm angeblich zu immer mehr Glück verhelfen soll. Doch dass dies nicht so ist, zeigt sich in der Welt täglich aufs Neue. Argumente wie „Hauptsache die eigenen Schäfchen sind im Trocknen“ oder „Nach mir die Sintflut“ bringen uns hier nicht weiter.

Ein globales Umdenken muss geschehen

Die meisten Ressourcen der Erde sind endlich und ein Umdenken im Nutzungsverhalten kann deshalb niemals schaden. Damit zukünftigen Generationen ein gleicher Lebensstandard ermöglicht werden kann, muss es ein globales Umdenken geben.

Bei gerechter Verteilung und Nutzung aller Gebrauchsgüter und durch ein Ablassen vom aktuellen Turbokapitalismus mit „absichtlicher Güterverbrennung“ (siehe geplante Obsoleszenz) sowie immerzu neuen, aber nicht wirklich fortschrittlichen Technologien würde auch dies kein Problem darstellen. Es würde genügend Zeit übrig bleiben, um gesunde Alternativen in allen Bereichen entwickeln und etablieren zu können. Das müssen letztendlich alle Institutionen, Interessengruppen und natürlich auch die Menschen im Einzelnen einsehen.

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