Interview mit Volkmar Spielberger – Bio und die Motive der Käufer

Die taz hat am 16. August ein interessantes Interview mit dem deutschen Bio-Produzenten Spielberger Mühle bzw. mit Firmenchef Volkmar Spielberger geführt. Dabei vertritt Herr Spielberger eine nur allzu treffende Haltung zum Thema Bio produzieren, verkaufen in Discounter und dergleichen mehr. Das Interview ist auch dahingehend interessant, weil es die verschiedenen Käuferschichten und Motive im Bio-Bereich beleuchtet. Nachfolgend könnt Ihr Euch das komplette Interview mit Volkmar Spielberger anschauen.

Interview mit Volkmar Spielberger – Gute Fragen, gute Antworten

taz: Herr Spielberger, seit 2014 haben Sie Vertriebsverträge, die festlegen, dass Sie Ihre Produkte ausschließlich im Biohandel verkaufen. Supermärkte wie Edeka oder Kaiser’s sind damit tabu. Schneiden Sie sich nicht ins eigene Fleisch?

Volkmar Spielberger: Das ist wie in jeder Partnerschaft: Wenn Sie auf die Monogamie setzen, dann haben Sie Nachteile und Vorteile. Wir machen das aus Überzeugung. Und im Regelfall wird eine klar positionierte Marke im Bio-Fachhandel besser platziert als Marken, die nicht exklusiv über den Handelspartner verkaufen.

taz: Über Supermärkte könnten Sie aber größere Mengen verkaufen. Das wäre doch auch vorteilhaft. Oder?

Da muss sich jedes Unternehmen die Frage stellen: Was ist mein Ziel? Glauben wir an das Prinzip, Wirtschaft funktioniert nur mit möglichst großem Wachstum? Oder sind wir in der Lage, den Nachhaltigkeitsgedanken auch im Wirtschaftshandeln entsprechend umzusetzen? Wir als handwerklich arbeitender mittelständischer Hersteller haben gar nicht das Ziel, jedes Jahr zweistellig zu wachsen – und deshalb brauchen wir diese Umsätze über die Konventionellen nicht.

taz: Aber für mich als Kunden wäre es doch prima, wenn ich Bio an jeder Ecke, in jedem Supermarkt bekäme.

Bio für alle ist ja auch das große Ziel. Aber der konventionelle Handel ist systemmäßig darauf ausgerichtet, Masse zu machen und über den Preis zu verkaufen. Diese Handelsstrukturen sorgen für ruinöse Strukturen in der Landwirtschaft, das sollte dem Verbraucher klar sein.

„Die Bio-Hersteller dürfen sich nun nicht zum Vasallen des Lebensmitteleinzelhandels machen.“

taz: Sie appellieren ja auch dafür, dass andere Hersteller nur im Fachhandel verkaufen. Wird so der Biomarkt damit aber nicht künstlich kleingehalten?

Nein. Bio ist heute in Deutschland schon überall. Und wir haben heute schon zweierlei Klassen von Bio. Wenn Kollegen auch Handelsmarken oder Zweitmarken etwa für Supermärkte herstellen, ist das für mich kein Thema. Der Verbraucher will eben nicht immer zwei Kilometer fahren, der will auch bei Edeka um die Ecke was kaufen können. Aber die Biobranche ist Innovationsmotor und Pionier der ökologischen Bewegung. Die Bio-Hersteller dürfen sich nun nicht zum Vasallen des Lebensmitteleinzelhandels machen.

taz: Die Biobranche ist in Aufruhr, weil immer mehr Hersteller auch bei den Großen verkaufen. Im Juni wurde Davert angeprangert, weil der Ökopio­nier auch in die Regale von dm wanderte. Ist das gerechtfertigt?

Ich kann verstehen, dass Biohändler erschrecken, wenn eine Pioniermarke sich entscheidet, einen Vertriebskanal zu wählen, in dem es nur um den Preis geht. Der Biofachhandel hat die ganzen Pionierleistungen erbracht – wer hat denn definiert, wie etwa ein funktionierendes Rückstandsmonitoring in der Biolebensmittelwirtschaft aussieht? Wenn ein Mitpionier wie Davert heute sagt, ich produziere für dm unter der Eigenmarke dmBio – und das 30 Prozent günstiger –, dann ist das Verrat an der Biobranche.

taz: Und der Verbraucher?

Fühlt sich dann zu Recht hintergangen, weil er denkt, in den Ökomärkten ist es teurer, weil sie eine größere Marge als nötig nehmen. Das ist aber nicht so. dm zum Beispiel hat doch nur eine Trockenproduktlogistik, auch deswegen können sie ihre Kosten so günstig halten. Ein Öko-Supermarkt, der auch ein Frischesortiment vorhält, der braucht auch andere Spannen.

„Die Bioprodukte bekommen Sie vielleicht im Lebensmitteleinzelhandel. Aber nicht die mit dem strengeren Demetersiegel.“

taz: Davert hat ein ähnliches Sortiment wie Sie. Profitieren Sie, wenn Davert-Produkte ersetzt werden?

Es mag sein, dass wir kurzfristig beim ein oder anderen Biohändler mehr Aufmerksamkeit erfahren. Aber letztlich sind wir durch unsere Verträge stark an den Erfolg oder Misserfolg der Fachhandelspartner gebunden. Wenn also durch Daverts Weggang die Erosion des Fachhandels fortschreitet, dann trifft das auch uns.

taz: Ich finde doch in den den Supermärkten längst Marken wie Biosaft von Voelkel …

Wenn wir die qualitative Unterscheidung, die der Biomarkt bietet, nicht sichtbar machen können für den Verbraucher, dann ist unsere Daseinsberechtigung beschränkt. Aber wenn Sie Voelkel als Beispiel nehmen: Die Bioprodukte bekommen Sie vielleicht im Lebensmitteleinzelhandel. Aber nicht die mit dem strengeren Demetersiegel.

taz: Und warum sollte der Verbraucher bei Bio auf den Fachhandel setzen?

Im Verbraucherspektrum von Bio haben Sie auf der einen Seite den Überzeugungstäter, der für die Welt Verantwortung übernehmen will. Auf dem extremen anderen Ende der Skala liegt für mich der Bio-Egoist. Der kauft Öko, weil er für sich und seine persönliche Gesundheit das Beste will – und wenn er es billiger bekommt, tut es ihm auch noch monetär gut. Und im Spannungsfeld dazwischen, da ist die Realität.

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