Immer mehr Plastikmüll im Ökosystem – Prognose bis 2050

Plastikabfälle und Mikroplastik bedrohen unsere Umwelt in einem unglaublich starken Maße. Wer die riesigen Berge an Plastikmüll an den Küsten der Weltmeere bereits vor die eigenen Augen bekommen hat, weiß um dieses riesige Problem der künftigen Jahrzehnte. Die Situation ist derweil so verschärft, dass sich auf unserer Weltkarte ein neuer Kontinent im Ozean abbilden lässt. Die Konzentration von Plastikmüll an einem bestimmten Ort entsteht durch die Strömungen der Meere. Der angesammelte Plastikmüll formt dort einen neuen Kontinent, welcher bereits im Jahr 2013 die Größe von Indien erreicht hatte. Zu wenig geschieht, um weitere Folgen abzuwenden. Der Verbraucher ist derzeit selbst in der Pflicht.

Unmengen Plastikmüll im Ökosystem

Doch wer versucht dem Plastik-Irrsinn zu entkommen stößt schnell an seine Grenzen. Nahezu alle Nahrungsmittel in herkömmlichen Discount-Geschäften sind in Plastik eingeschweißt. Meist auch dann, wenn Kartonagen als Umverpackung verwendet werden. Bioläden greifen derweil wieder auf altbewährte Theken und andere Formate zurück, an denen der Kunde auswählen und sich seine Ware in Papier einpacken lassen kann. Gesetzlich hat sich zwar ebenso etwas getan, doch bildet das Verbot von kostenfreien Plastiktüten nicht einmal den Tropfen auf dem heißen Stein. Was wir brauchen, ist ein radikales Umdenken in Bezug auf Plastik. Das Handelsblatt berichtete schon vor drei Jahren:

Der „siebte Kontinent“ liegt im Pazifischen Ozean. Das gigantische Gebiet ist größer als Indien und noch weitgehend unerforscht. Und es besteht ausschließlich aus Müll. Vor allem aus Plastikabfällen, die von den Küsten und aus Flüssen in die Gewässer zwischen Kalifornien und Hawaii getrieben werden.

Die Situation heute ist mitnichten anders. Im Gegenteil wächst der weltweite Verbrauch von Plastik immer weiter. Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich die Zahl des täglich hinzukommenden Plastikmülls bis zum Jahr 2030 verdoppeln und bis 2050 vervierfachen wird. Zeit Online berichtet aus der aktuellen Studie der Ellen MacArthur Foundation:

Derzeit schwimmen in den Meeren nach Berechnung der Forscher etwa 150 Millionen Tonnen Plastik. Das entspreche etwa einem Fünftel des Gewichts aller Fische. „Schon für das Jahr 2025 erwarten wir ein Verhältnis von Fisch zu Plastik, das eins zu drei beträgt“, heißt es. Das entspräche 250 Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen. (…) Zudem müssten weitere Aspekte berechnet werden, wie der Einfluss auf die menschliche Gesundheit und die Nahrungskette. Auch beeinflussten die Abbaustoffe von Plastik weitere Ökosysteme wie Wälder und Wasserläufe. Rechnete man all diese indirekten Folgen von Plastikmüll zusammen, käme man auf einen jährlichen Schaden von 40 Milliarden US-Dollar. Das übertreffe den Gewinn der Plastikindustrie.

Plastikmüll bringt gesundheitliche Schäden

Plastik ist unumstritten ein praktisches Aufbewahrungsmittel, vor allem für Produkte des täglichen Bedarfs. Ob Mineralwasser in Plastikflaschen oder eingeschweißtes Toilettenpapier – alles ist in Plastik verpackt. Doch nicht nur Haushaltswaren und Lebensmittel, auch Drogeriewaren sind in Plastik gehüllt. In Hygieneprodukten findet sich sogenannte Mikroplastik. Diese kleinen Plastikkügelchen sind erst nach Jahrhunderten abgebaut. Gleichzeitig ist es für uns gesundheitsschädlich. Mikroplastik kann in den Körper gelangen, sich über viele Jahre ansammeln und Schäden hervorrufen. Doch auch durch Umverpackungen im Lebensmittelbereich können Plastikbestandteile in unsere Nahrungskette gelangen. Zum Beispiel können durch die Einwirkung von Sonnenlicht Plastikbestandteile aus den Plastikflaschen unseres Mineralwassers gelöst werden, welche dann in unseren Körper übergehen.

Denn der Plastikmüll im Ökosystem ist nicht nur ein Problem für unsere Umwelt, sondern auch für unsere eigene Gesundheit. Die in der Industrie unentbehrlichen Produktionsstoffe wie Weichmacher (Phtallate) und Hartmacher (BPA) – um Plastik weich oder hart zu machen – greifen direkt in unseren Hormonhaushalt ein. Sie stehen unter anderem in Verdacht, Schuld für die frühzeitige Pubertät von Mädchen sowie der späteren Pubertät von Jungen zu sein.

Alternativen schaffen, Alternativen nutzen

Bei dem weltweiten Plastik-Problem kann jeder Haushalt im Einzelnen auf eine Reduzierung im Alltag achten, um so unseren Planeten und die Natur zu entlasten. Damit werden größere Folgeschäden hinausgezögert, bis Politik und Industrie für eine flächendeckende Veränderung bereit sind. Auch der Markt zwischen Verbraucher und Verkäufer setzt zuweilen auf neue Methoden, wie es das per Crowdfunding finanzierte Einkaufskonzept Original Unverpackt vormacht. Andere Start-Up-Unternehmen nehmen sich der Aufgabe hin, Alternativen zu Einwegprodukten zu schaffen. Die deutsche Firma leaf republic macht dies zum Beispiel erfolgreich vor und bietet Einwegprodukte aus Laub an.

Die Möglichkeiten sind da, doch auf der Gesetzes- und Wirtschaftsebene gehen die Veränderungen viel zu langsam voran. Aktuell ist jeder Mensch selbst verantwortlich, seinen Plastikverbrauch zu reduzieren, indem andere Verpackungsmaterialen wie Glas genutzt oder wieder auffüllbare Produkte gekauft werden.

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