Heinrich Böll Stiftung – Zivile Studie zeigt Folgen des Herbizids Glyphosat

Glyphosat ist das weltweit am meisten verwendete Pflanzenschutzmittel. Es gilt für Mensch und Natur inoffiziell bereits als eines der schädlichsten Herbizide, welches in der modernen Landwirtschaft verwendet wird. Die Heinrich Böll Stiftung hatte deshalb eine zivile Studie gestartet. Bei der Auswertung Anfang 2016 kamen sie zu einem interessanten, aber nicht all zu überraschenden Ergebnis.

Zivile Studie zeigt: Glyphosat steckt in jedem von uns

Etwa 2.000 Probanden fanden sich vor wenigen Wochen zusammen, um an einer zivilen Studie teilzunehmen. Die Heinrich Böll Stiftung publizierte diese Anfang März. Das öffentliche Interesse um ein handfestes Ergebnis zum Thema Glyphosat ist derweil so hoch, dass alle Probanden die Kosten gern selbst übernahmen. So berichtet die Heinrich Böll Stiftung unter anderem Folgendes:

Johannes Heimrath von der Bürgerinitiative Landwende erklärte: „Mit dieser Aktion wollten wir herausfinden, wie weit Glyphosat bereits in die Umwelt vorgedrungen ist. Bisherige Untersuchungen basierten stets nur auf kleinen Datenmengen im zweistelligen Bereich. Nun haben wir über 2000 Datensätze, und 99,6 Prozent der Proben enthalten Glyphosat – das heißt, wir alle sind belastet. (…) Da die Behörden es bisher versäumt haben, so eine Feldstudie zu machen, musste es eben die Zivilgesellschaft selbst in die Hand nehmen.“

Die Verwendung von synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sind aufgrund ihrer teils überdosierten Anwendung schon länger ein strittiges Thema. Besonders aber Glyphosat ist das derzeit brisanteste Thema, welches ein unglaublich starkes öffentliches Interesse bekundet. Dennoch wird es in den staatlichen Organen und bei den großen Konzernen, welche Glyphosat herstellen und anwenden, ignoriert. Die Ergebnisse der Studie lassen jedoch den Grund erkennen, warum dies bisher auch so gehandhabt wird. Glyphosat steckt nämlich bereits in jedem von uns.

Eine heute in Berlin vorgestellte Datenerhebung zu Glyphosatrückständen im Urin weist eine deutliche Belastung von über dreiviertel der Bundesbevölkerung mit Glyphosat nach. Demnach liegt bei 75 Prozent der Bürgerinnen und Bürger die Belastung mit mindestens 0,5 ng/ml um ein Fünffaches höher als der Grenzwert für Trinkwasser mit 0,1 ng/ml zulässt. Ein Drittel der Bevölkerung hat sogar eine 10-fache bis zu 42-fache Menge der für Trinkwasser zulässigen Grenzwerte im Urin.

Kinder am höchsten mit Glyphosat belastet

Nach diesen Ergebnissen ist zu erkennen: Wer Glyphosat nicht über die Ernährung aufnimmt, der nimmt es über die Umwelt auf. Langzeitstudien fehlen und wie so oft weiß keiner, welche Folgen Glyphosat auf Dauer in dieser Größenordnung für die Menschen hat, geschweige denn in Verbindung mit anderen Alltagsgiften. Dies gilt besonders für Kinder, welche laut den Ergebnissen der Studie am höchsten belastet sind.

Die höchsten Belastungen ließen sich nach Altersgruppen aufgeschlüsselt bei Kindern von 0-9 und Kindern/Jugendlichen von 10-19 Jahren nachweisen, nach Berufsgruppen vor allem bei Landwirten. Fleischessende Studienteilnehmer, sogenannte Mischköstler, wiesen höhere Belastungen als Vegetarier und Veganer auf. Bio-Esser sind weniger belastet als Menschen, die sich konventionell ernähren.

Es ist ein weiteres unfassbares Beispiel, wie die Funktionen eines schützenden Staates nicht richtig ausgeführt werden. Stattdessen wird auf Grenzwerte und fehlende Studien bezüglich einer gesundheitsschädigenden Wirkung hingewiesen. Herstellerfirmen bzw. Konzerne verwenden Glyphosat und werden geschützt. Wirtschaftliche Interessen scheinen der Umwelt und den gesundheitlichen Interessen vorzugehen.

Es ist allerdings ein sehr gutes Zeichen, wenn es eine Stiftung schafft, tausende Menschen zu mobilisieren. Jeder Teilnehmer hat dabei Geld für eine Sache aufgewendet, welche eigentlich den Gesundheitsorganisationen bzw. dem Staat unterlegen ist. Dies zeigt, welche verändernde Macht in der Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen liegt, wenn sich dieser wieder jeder bewusst wird.

Umweltinstitut München e.V. fordert Veröffentlichung aller Dokumente

Ein aktuelles Statement zum Thema Glyphosat gab es kürzlich über den Newsletter des Umweltinstitut München e.V. Darin fordern sie, dass die Dokumente über die Beurteilung von Glyphosat offen gelegt werden.

Es ist ein weiterer Erfolg im Kampf gegen das Ackergift Glyphosat: Am Dienstag hat der Umweltausschuss mit großer Mehrheit dafür gestimmt, dass die Zulassung des Unkrautvernichters nicht verlängert wird. Zudem sprach er sich dafür aus, dass die EU-Kommission eine unabhängige Bewertung von Glyphosat sicherstellen müsse. Eine wichtige Forderung – gerade mit Blick auf die heftige Kritik am Zulassungsverfahren, die von zahlreichen Organisationen und renommierten WissenschaftlerInnen geübt wird. (…) Die Abgeordneten im Umweltausschuss fordern außerdem, dass die EU-Lebensmittelbehörde EFSA alle Daten veröffentlichen soll, die in ihre Beurteilung von Glyphosat eingeflossen sind – auch diejenigen der Industrie, die als „Geschäftsgeheimnisse“ gelten. Die Empfehlungen gehen nun als Resolution ins EU-Parlament. Die Abstimmung ist im April geplant. (…) Wir fordern von den Abgeordneten, dass sie dieser Empfehlung folgen und ein Zeichen für den Verbraucherschutz und die Umwelt setzen!

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