Great Barrier Reef – Vom Weltnaturerbe zur Müll-Deponie

Das Great Barrier Reef ist ein Vorzeigebeispiel für natürliche Schönheit und Artenvielfalt. Es stellt zudem die natürliche Entwicklung innerhalb von Millionen von Jahren dar. Seit dem Jahr 2014 gibt es jedoch anhaltende Diskussionen, ob Endprodukte der florierenden und expandierenden Kohleindustrie in Australien in die Meere geschleust werden sollen. Das Great Barrier Reef wäre davon direkt betroffen. Die UNESCO ist alarmiert.

Wirtschaftsinteressen stellen sich über Naturschutz

Dass Unternehmen und daran gekoppelte globale Wirtschaftsinteressen über der Natur stehen wollen, ist keine Seltenheit. Für Aufsehen sorgt es jedoch besonders dann, wenn davon weltweit bekannte Sehenswürdigkeiten oder Tierarten bedroht sind. So dreht sich auch zwei Jahre nach Beginn der Diskussionen alles um das Great Barrier Reef vor der australischen Küste. Die UNESCO berichtet darüber folgendes:

We received a report on the state of conservation from the Australian government this week. We are currently reviewing this report and all other available information regarding developments concerning the World Heritage site. The assessment of the situation will be made public in May, ahead of the World Heritage Committeemeeting in June this year, when the state of conservation of the Great Barrier Reef will be discussed by the 21-member intergovernmental Committee.

Zu Deutsch: Wir erhielten diese Woche von der australischen Regierung einen Report zum Deklarieren der Erhaltung. Aktuell überprüfen wir diesen Report sowie alle anderen verfügbaren Informationen bezüglich den Entwicklungen hinsichtlich der „World-Heritage-Seite“. Die Begutachtung bzw. Darlegung der Situation wird im Mai, im Vorfeld des Treffens „World-Heritage-Committee-Meeting“ im Juni dieses Jahres, bei dem 21 Mitglieder internationaler Ebene den Erhalt des Great-Barrier-Riffs erörtern, öffentlich gemacht.

Jedoch können UNESCO und andere Organisationen nur beistehen und einen Rat geben, denn eine Entscheidung fällt jedes Land für sich. Da die Kohleindustrie in Australien in den letzten Jahren wie in keinem anderen Land ein starkes Wachstum verzeichnet, soll dieser Industriezweig mit allen Mitteln erhalten werden. Aufgrund dessen wird nun in Betracht gezogen, mehr und mehr Endprodukte und Umweltgifte der Produktionsstätten in die Weltmeere zu kippen – allen voran das Great Barrier Reef wäre davon betroffen. Die Süddeutsche Zeitung schreibt:

(…) Dafür gab es an diesem Freitag anderes mitzuteilen: nämlich dass demnächst bis zu drei Millionen Kubikmeter Schlamm aus der Ausbaggerung des Hafens Abbot Point ins Riffgebiet gekippt werden dürfen. Das sind 150.000 Kipplaster-Ladungen. Australiens Umweltminister Greg Hunt hatte die Genehmigung bereits erteilt, jetzt hat auch das für den Schutz des Riffs zuständige Amt dem sogenannten Dumping zugestimmt.

2014 – Ein halbes Jahr später

Sechs Monate nach den erschütternden Berichten um das Great Barrier Reef berichtet Das Erste über die ersten Entscheidungen. Dabei geht hervor, dass die derzeitige Entwicklung pro Kohlehafen verläuft.

Der Kohlehafen an der Ostküste ist zum Schauplatz eines erbitterten Kampfes um die Zukunft des Korallenriffs geworden. Die australische Meeresschutzgesellschaft dazu: „Abbot Point soll der größte Kohlehafen der Welt werden. Und das gleich gegenüber vom Great Barrier Reef. Das ist ein Naturwunder. Doch hier wollen sie fünf Millionen Tonnen Baggerschlamm versenken.“ Trotz allem – der Hafenausbau soll weitergehen. Umweltschützerin Cherry Muddle befürchtet ein zweites Gladstone, wenn nicht schnell ein Umdenken einsetzt.

Bedrohte Tierarten, ein mögliches Massensterben, die Zerstörung natürlicher Gebiete. Wenn ein Welterbe, in diesem Falle das Great Barrier Reef, als moderne Müllkippe herhalten muss, wie sicher sind dann andere Beschlüsse über den Erhalt von Naturparks, Weltkulturerben sowie prinzipiell unter Naturschutz liegenden Ländereien auf der gesamten Welt?

An welcher Stelle hören wir endlich auf, die Natur und unseren Planeten nicht mehr getrennt von uns zu erleben, sondern als übergeordneten Organismus zu sehen, dem wir alle in gleichem Maße beiwohnen. Vor der Konsequenzen einer jahrelang anhaltenden negativen Beeinflussung können wir nicht flüchten. Es sind nicht wir Menschen im Einzelnen, sondern die wenigen großen Firmen, deren politische Berater und die wenigen, dafür äußerst mächtigen Entscheidungsträger. Jene, die offensichtlich getrennt von menschlichem und natürlichem Bewusstsein derartige Entscheidungen gegen unseren Planeten Erde und damit gegen die Menschheit treffen.

Anhand der Aussagen australischer Politiker und Wirtschaftsbosse wird deutlich, dass ein Beschluss für den Erhalt der Kohleindustrie früher oder später fallen wird. Diese Entwicklung gilt es scharfsichtig zu verfolgen. Jegliche Australier sollten ihr Recht nutzen und bei einer zuständigen Institution Beschwerde einreichen.

2016 – Zwei Jahre später

Über zwei Jahre nach den ersten Plänen ist eine Einigung noch immer nicht in Sicht. Der WWF hat inzwischen eine offizielle Seite zum Erhalt des Great Barrier Reefs gestartet. Der Blog des WWF berichtet von einem vorzeitlichen Aus des Kohlehafens:

In den letzten Wochen haben sich die Nachrichten am Great Barrier Reef wieder einmal überschlagen und ich frage mich optimistisch gestimmt: Wird dieser riesige, seit Jahren umstrittene „weltgrößte Kohlehafen“ eigentlich jemals kommen? Oder haben wir es etwa bald geschafft – und die Gefahr für das Riff ist langsam mal gebannt?

Hingegen dieser Meinung kursieren Gerüchte, dass das Great Barrier Reef zu einem Großteil bereits abgestorben ist und in Kürze offiziell für Tod erklärt wird. Die Seite Urlaubsguru berichtet darüber:

(…) Fakt ist, dass das Riff schon seit Jahrzehnten extrem geschädigt und gefährdet ist. Hätte man in dieser Zeit angefangen, das Riff besser zu schützen und auf die Landwirtschaft und den Tagebau verzichtet, wären wir heute nicht an diesem dramatischen Wendepunkt angekommen. (…) Die aufrüttelnde Nachricht vom angeblichen Tod des Great Barrier Reef führt uns wieder einmal vor Augen, dass wir mehr auf unsere Umwelt achten und ihre Schätze besser schützen müssen, wenn wir einmalige Ökosysteme wie eben dieses Riff nicht verlieren möchten. (…) Wenn Millionen Jahre alte Systeme wirklich innerhalb von weniger als 100 Jahren durch den Menschen zerstört werden, ist das vor allem eines: verdammt traurig!

Großinvestor Deutsche Bank springt ab

Die Deutsche Bank hat sich Ende 2016 aus der Finanzierung des Kohlehafens am Great Barrier Reef zurückgezogen. In der September-Ausgabe der Schrot & Korn meint Biologin Heffa Schücking darüber:

Wir freuen uns über die Entscheidung. Aber sie ist nur gefallen, weil hier der Reputationsverlust der Bank als sehr hoch eingeschätzt wurde. Die Deutsche Bank ist aber weiterhin unter den weltweiten Top Ten der Kohle-Finanzierer. Seit 2005 sind die Investitionen der Banken in Kohle um 400 Prozent gestiegen. Die scheren sich nicht um das Klima.

2017 – Ist das Great Barrier Reef noch zu retten?

2017 wird das entscheidende Jahr für das Great Barrier Reef werden. Wird der Bau eines Kohlehafens und die Expansion der Kohleindustrie gefördert? Oder ist es zu spät und das Great Barrier Reef hat innerhalb der letzten Jahre einen zu großen Schaden erlitten? Das Weltnaturerbe steht am Scheideweg und es wäre mehr als traurig, dieses Schauspiel der Natur für immer zu verlieren. Doch würde damit die Zerstörung des Ökosystems über einen völlig entfremdeten Turbokapitalismus umso mehr aufgezeigt werden.

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