Gerichtsurteil: Minderjähriger darf über seine Therapie frei entscheiden

In den Niederlanden ist es vor wenigen Tagen zu einem interessanten Fall gekommen. Ein 12-Jähriger Junge möchte nach einer Hirntumor-Diagnose und der operativen Entfernung des Tumors keine Chemotherapie machen. Von seiner Mutter mit alternativen Heilmethoden unterstützt zieht sein Vater vor Gericht und möchte die Chemotherapie erzwingen – und scheitert. Denn das niederländische Gericht urteilte, dass auch ein Minderjähriger über seine Therapie frei entscheiden könne.

Über seine Therapie frei entscheiden – Eine Entscheidungsgewalt über das eigene Leben

Der Junge möchte sich alternativen Heilmethoden zuwenden und hat daher eine Chemotherapie abgelehnt. Der Hintergrund ist die niederländische Gesetzeslage. Diese besagt, dass jeder selbst über sein Leben, aber auch über seinen Tod entscheiden könne. Die freie Wahl über das eigene Leben lässt nichts anderes zu, als die eigenverantwortliche Entscheidungsgewalt des Jungen geltend zu machen, auch wenn dieser noch minderjährig ist. Auf N-TV wird über den Fall wie folgt berichtet:

Bei dem Kind war Ende 2016 ein Hirntumor entfernt worden. Eine Chemotherapie sollte folgen. David lehnte dies ab und wird darin von seiner Mutter unterstützt. Ohne Chemobehandlung liegt die Chance auf Genesung nach Angaben der Ärzte bei 50 Prozent, mit der Therapie bei 75 bis 80 Prozent. Der Vater des Jungen verklagte daraufhin die örtlichen Behörden und wollte mit einem Gerichtsurteil die Chemotherapie seines Sohnes erzwingen. (…) Weil der Junge sich gegen ärztlichen Rat stellte, wurde er von Kinderpsychologen untersucht. Diese stellten fest, dass David geistig normal und „einen starken Lebenswillen“ habe. Er habe aber Sorge, dass die Nebenwirkungen der Chemotherapie seine Lebensqualität beeinträchtigen könnten. (…) Der Junge habe auch bei einem Psychiater sehr gut seine Entscheidung begründet.

Über ein hinzugezogenen Kinderpsychologen wurde ein Gutachten erstellt, aus dem hervorging, dass dem Jungen keine mentalen Störungen vorliegen. Die Entscheidungsgewalt des Jungen ist somit nicht beeinträchtigt, wodurch er keinen Vormund zu seiner Entscheidung hinzu ziehen müsse.

Niederländisches Gesetz: Ab 12 Jahre darf über ein Therapiemodell frei entschieden werden

Zwar ist laut den Ärzten die Heilungschance erhöht, würde eine Chemotherapie erfolgen. Doch bleiben bei dieser Rechnung etwaige Nebenwirkungen oder langfristige Folgen unbeachtet. In wie weit der Junge von seinem mütterlichen Elternteil beeinflusst ist, kann nicht geklärt werden. Doch dies ist im Grunde auch nicht mehr von Belangen. Der Richter bezog sich auf den gesetzlichen Kontext, wonach Menschen ab 12 Jahren das Recht haben, bei unheilbaren Krankheitsbildern um Hilfe zur Beendigung ihres Lebens zu bitten.

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