Der Jakobsweg nach Santiago de Compostela – Eine spirituelle Reise

Immer mehr Menschen aus aller Welt ernennen das erfolgreiche Absolvieren des Jakobsweges zu einem ehrenwerten Ziel im Leben. Und nahezu jeder, der den Jakobsweg gegangen ist, berichtet über spirituelle Erfahrungen und eine verändernde Sichtweise auf das eigene Selbst. Für die große Masse wurde der namhafte Pilgerweg durch diverse Schriftsteller wie Paulo Coelho oder auch Hape Kerkeling bekannt.

Ein individueller, steiniger Weg

Der Jakobsweg ist einer der prominentesten Pilgerwege der Welt. Seit mehr als einem Jahrtausend begeben sich Pilger aus verschiedensten Ländern zum Grab des Apostels Jakobus. Dieses liegt in der spanischen Stadt Santiago de Compostela. Zumeist ist mit dem Jakobsweg der Camino Fancés gemeint, eine etwa 800 Kilometer lange Strecke, ausgehend von Saint-Jean-Pied-de-Port in den französischen Pyrenäen bis hin zu Santiago de Compostela, dem endgültigen Pilgerziel des Jakobswegs.

Als erfolgreich absolviert gilt der Jakobsweg jedoch bereits dann, wenn man die letzten 100 Kilometer zu Fuß gelaufen oder aber die letzten 200 Kilometer per Fahrrad gefahren oder auf dem Pferd geritten ist. Für diese Strecke benötigt man etwa vier bis sieben Tage. Häufig nehmen Pilger jedoch eine weitaus umfangreichere Strecke, wie den eben genannten Camino Fancés. Dafür wird zu Fuß im Schnitt zwischen 30 und 36 Tage benötigt.

Somit bestimmt bereits vor der Pilgerzeit jeder die Länge seines „persönlichen Jakobsweges“ selbst. Dies ist abhängig davon, von wo aus man zu pilgern beginnt. So kommt der Jakobsweg in den unterschiedlichsten Variationen vor, denn allein die Strecke von der eigenen Haustür beginnend bis nach Santiago de Compostela ist letztlich ein Pilgerweg zum Grab des Apostels Jakobus und damit eine Art Jakobsweg. Der meist genutzte und damit als regulär geltende Jakobsweg durchquert hingegen stets die fünf Königsstädte Jaca, Pamplona, Estella, Burgos und Léon. Dies ist auch der Weg, den Hape Kerkeling in seinem Buch beschreibt.

Erweiterte Sozialkompetenz und spirituelles Erwachen

Der Jakobsweg gilt schon immer als einer der wichtigsten Pilgerwege der Welt. Nach dem Absolvieren wird dies mit einer Urkunde namens „La Compostela“ geehrt. In Spanien und Frankreich wird diese sogar zunehmend in Bewerbungsunterlagen verwendet. Die Bewerber wollen damit zeigen, dass sie sich über eine Fachkompetenz hinaus auch in sozialem und spirituellem Verhalten selbst unterrichtet haben.

Besonders jedoch in den letzten fünf Jahrzehnten stieg die Begeisterung, auch weil immer häufiger bekannte Persönlichkeiten und Prominente den Weg absolviert und Bücher darüber veröffentlicht haben. So zählt Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ nach knapp zehn Jahren zu den meistverkauften deutschsprachigen Büchern. 2015 wurde das Buch zudem auch verfilmt. Aber auch Frank Elstner, Paulo Coelho und Jenna Bush zählen zu den bekannten Absolventen.

Die Erfahrungen, welche Jakobsweg-Pilger aus aller Welt bei ihrer Reise machen, könnten unterschiedlicher nicht sein und treffen zum Abschluss der Reise dennoch ein nahezu allgemein gültiges Fazit. Denn wer allein den Jakobsweg anfängt zu gehen, findet sich häufig in Gesellschaft wieder. Wer hingegen gemeinschaftlich beginnt, verliert sich eines Tages ungezwungen. Eines ist auf dem Jakobsweg sicher: Es ist eine Reise zu seinem inneren Selbst, wodurch früher oder später jeder aus seiner herkömmlichen Pilger-Planung heraustritt und einen inneren Dialog mit sich selbst entfacht. Das Schreiben eines Tagebuches ist zu dieser Zeit mehr als empfehlenswert.

Eine einzigartige Reise zu sich selbst

Diese Reise bedarf es zum großen Teil allein zu gehen, um sich im Klaren zu werden, was man von der Reise auf dem Jakobsweg erwartet, aber auch, was der Jakobsweg von einem selbst fordert. Eine kulturelle und gesellschaftliche Reise? Eine Neuausrichtung im aktuellen Lebensweg? Oder gar die Suche nach dem Höheren und dem, was die Dinge in der Welt zusammenhält? Dies sind Fragen, deren Antwort jeder für sich selbst finden muss. Deshalb verlieren sich viele Gruppen während der Reise auf dem Jakobsweg immer wieder oder finden unter eigenartigen Umständen zusammen.

Was am Ende bleibt, ist ein Erlebnis und eine ganz besondere Erfahrung, welche einem niemand mehr nehmen kann. Wer den Camino Fancès nach Santiago de Compostela gegangen ist, wandert durchaus überanstrengt, übermüdet und den Tränen nahe einem vorzeitigen Abbruch entgegen. Viele Menschen berichten darüber, dass sie den Weg beinahe abgebrochen hätten. Wenn da nicht das besondere Etwas wäre, das einem immer wieder dazu motiviert, bis nach Santiago de Compostela zu gelangen. Und genau das ist jenes Abenteuer, welche auf dieser Reise ein jeder für sich selbst erfahren muss.

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